Wer sich eine neue Maschine zulegt, der steht vor einer großen Entscheidung. Am Markt gibt es alle Preisklassen und eine lange Liste von Motorradtypen, die man wählen kann. Hat man keine konkrete Marke, oder einen bestimmten Typ im Auge, dann kann vielleicht der Motor bei der Auswahl helfen.

Meine Marke

Oft bleiben man als Motorradfahrer seiner Marke treu. Einmal Honda, Yamaha, Suzuki, BMW, oder welche Marke auch immer, das nächste Motorrad wird oft vom selben Hersteller gewählt. Will man aber etwas Neues probieren und als langjähriger GS-Fahrer mal einen drehfreudigeren Motor, dann sieht man sich auf dem Markt etwas um. Manche Hersteller bauen überwiegend Motoren derselben Bauart in Ihre Motorräder. Der Boxermotor im BMW Motorrad wäre hier ein klassisches Beispiel. Andere Hersteller bieten verschiedene Motoren an. Wo aber die Stärken und Schwächen liegen und welche Charakteristika ein Motor aufgrund seiner Bauweise hat, ist heute unser Thema.

Zylinderanzahl

Bei Motorrädern kann man zwischen dem Einzylinder, einem Zweizylinder-Motor verschiedener Bauart, einen Dreizylinder als Reihenmotor und einen Vierzylinder in verschiedenen Bauarten. Auch 6-Zylinder-Motoren werden in Motorrädern angeboten. Es ist nicht zu 100% zulässig, aber die Anzahl der Zylinder beeinflusst die Laufruhe des Motors. Läuft ein Zylinder noch recht unruhig, sind die Vibrationen beim 4-Zylinder-Reihenmotor deutlich geringer. EIne Auswirkung auf die Laufruhe und die Charakteristika des Motors hat aber auch die Bauweise.

V-Motor, Reihenmotor, Boxermotor

Bei einem einzelnen Zylinder gibt es natürlich wenig Gestaltungsmöglichkeiten und auch 3-Zylinder und die, nur in Rennmaschinen verbauten 5-Zylinder Triebwerke lassen nur eine Bauart zu. Mit zwei, vier, oder sechs Zylindern hat man aber bereits eine Auswahl aus verschiedenen Bauarten.

Der Einzylinder 2-Takt Motor

Der Einzylinder-Motor wird meist as 4-Takt-Motor in Motorräder eingebaut. Der Zweitakter existiert zwar, ist aber auf wenige Anbieter und Modelle beschränkt. 2-Takt Enduros z.B. von KTM und Husquarna profitieren von dem geringeren Gewicht. Der Motor arbeitet mit konstanter Leistung und gleichbleibendem Drehmoment und bietet in der Wartung durch die einfache Bauweise klare Vorteile.Der Kraftstoffverbrauch ist etwas höher und der Motor wird heißer. Der 2-Takter hat ein geringeres Drehmoment, braucht also mehr Drehzahl, als der 4-Takter und leistet als Motorbremse weniger Widerstand. Durch die einfache Bauweise ist der 2-Takt-Motor günstiger in der Anschaffung.

Der Einzylinder 4-Takt Motor

Wer in der Schule, oder später im Leben gelernt hat, wie ein Viertakt-Motor funktioniert, dem wird klar sein, dass die Energieausbeite bei einem 1-Zylinder Motor nicht überragend ist. Nur im Arbeitstakt gibt der Motor Energie ab. Danach, im Kompressionstakt braucht er Energie. Nur bei jeder zweiten Umdrehung der Kurbelwelle wird Leistung abgegeben. Damit der Motor trotzdem ruhig läuft braucht er eine Schwungscheibe.

Der Einzylinder 4-Takt Motor im Motorrad ist für leichte Maschinen geeignet. Man bekommt ihn bis zu 650 cm³.  Die Vorteile des Einzylinder 4-Takt Motor sind Drehfreudigkeit, das geringe Gewicht und die einfache Wartung.

Der Zweizylinder Reihenmotor

Beim Reihenmotor werden die Kolben nebeneinander angeordnet. Die Kraft der Kolben wirkt meist abwechselnd auf die Kurbelwelle um eine möglichst gleichmässige Energieübertragung zu erhalten. Beim Zweizylinder-Reihenmotor gibt es zwei unterschiedliche Varianten. Einerseits können die Kolben gegenläufig arbeiten und abwechselnd im Arbeitstakt sein, andererseits können sie auch parallel laufen. Man spricht vom Gegenläufer, oder dem Gleichläufer-Paralleltwin.

Beim Gleichläufer kommt es im oberen Drehzahlbereich zu sehr starken Vibrationen, die mit Ausgleichswellen reduziert werden müssen. In beiden Fällen liefert der Zweizylinder-Reihenmotor im Motorrad eine gute Leistung und ist in Produktion und Wartung günstig.

Der Zweizylinder Boxer-Motor

Beim Boxer-Motor sind die beiden Zylinder im 180°-Winkel angeordnet und Arbeiten gegeneinandern. Die Zylinder laufen in den Kolben gleichzeitig auseinander und zusammen. Vibrationen werden also weitgehend ausgelöscht und nur im niedrigen Drehzahlbereich spürt man ein leichtes Rütteln. Der Boxemotor, wie er in fast jedem BMW-Motorrad Anwendung findet hat bietet einige große Vorteile.

 

Durch die Anordnung der Zylinder braucht der Motor keine zusätzliche Kühlung. Der Motor ist sehr flach und das Motorrad hat einen sehr tiefen Schwerpunkt. Dadurch lässt es sich leicht beherrschen. Der Boxermotor spielt im niedrigen Drehzahlbereich seine Stärken aus und bringt hier mehr Drehmoment als viele andere Motoren.

Die Nachteile beim Boxermotor beschränken sich auf den hohen Anschaffungspreis und seine Größe. Motorräder mit Boxermotor sind sehr breit und bieten in der Stadt wenig Vorteile.

Der Zweizylinder V-Motor

Beim V-Motor stehen die Kolben wie bei einem V in einem Winkel von 45° bis 90° zueinander. Harley Davidson baut 45° V-Motoren in seinem Motorräder ein. Die Energieausbeute bei dieser Bauweise ist schlecht und auch der Lauf der Zweizylinder V-Motoren unter 90° ist alles andere als ruhig. Ein solcher Motor vibriert und rüttelt solange er läuft, weil es keine technische Möglichkeit für den Ausgleich gibt. Der 90° V-Motor verfügt über einen guten Masseausgleich und läuft viel ruhiger, als die V-Motoren mit kleineren Winkeln.

Quer eingebaut braucht der V-Motor, außer in der 90° Variante, weniger Platz, als ein Reihenmotor. Er ist schmäler und kürzer. Einen 90° V-Motor, der längs eingebaut wird, gibt es mit wenigen Ausnahmen nur bei Moto Guzzi. Der Motor selbst bietet durch die 90° Anordnung eine hohe Laufruhe, bringt aber in der Kurvenlage Nachteile.

Beim quer eingebauten V-Motor gibt es Nachteile in der Kühlung des hinteren Zylinders. Während vorne der Fahrtwind kühlt, ist der hintere Zylinder im Windschatten des vorderen und muss separat gekühlt werden. Der V-Motor ist sehr drehmomentstark und wird in erster Linie in Choppern verwendet. Der unruhige Lauf der Bauweisen mit weniger als 90°-Winkel sorgen für ein charakteristisches Fahrgefühl und einen typischen Klang der Motorräder.

Der Dreizylinder Reihenmotor

Etwas laufruhiger als der Zweizylinder, aber unruhiger als der Vierzylinder ist der Dreizylinder-Reihenmotor. Einen tollen Klang, geringe Größe und ein günstiger Anschaffungspreis sind die Vorteile des Dreizylinder-Reihenmotors. Der Dreizylinder wird oft unterschätzt, bringt aber ordentlich Leistung und viel Fahrkomfort.

Der Dreizylinder V-Motor

Eine Besonderheit und in der Namensgebung nicht ganz korrekt ist der sogenannte Dreizylinder-V-Motor bei dem zwei Zylinder seitlich und der mittlere Zylinder nach vorne geneigt eingebaut werden. In den 1980ern hat Honda einige Modelle mit Motoren dieser Bauweise gebaut, aber rasch wieder eingestellt.

Der Vierzylinder Reihenmotor

Der Klassiker unter den Motorrad Motoren ist der 4-Zylinder Reihenmotor. Ein Motor mit hoher Laufruhe aus dem man viel Leistung holen kann. Auch wenn er optisch nicht ganz an die Luftgekühlten V-Motoren herankommt, ist er technisch betrachtet eine ausgezeichnete Lösung. Dass er relativ breit ist kann man ihm als Nachteil auslegen. Darüber hinaus ist der Vierzylinder Reihenmotor ein Kraftpaket, das in Sportlern seine Berechtigung hat. PS-starke Motoren ohne starke Vibrationen.

Der Sechszylinder Reihenmotor

Sechszylinder sind aufgrund der großen Breite in Motorrädern sehr selten. Nur große und schwere Maschinen, wie die Honda Goldwing F6B, oder die BMW K1600GT bieten genug Platz für die mächtigen Triebwerke. Laufruhe und Drehmoment sind bei den Sechszylinder-Reihenmotoren unerreicht. Der Preis solcher Motorräder ist entsprechend hoch, das Fahrerlebnis aber einzigartig.

Die Qual der Wahl

Wer sich für einen Motor entscheiden muss, hat tatsächlich die Qual der Wahl. Hohe Anschaffungskosten, die viel Leistung und hohen Komfort bringen bis zu günstigen Alternativen mit Abstrichen bei PS und Laufruhe ist fast Alles verfügbar. Die Entscheidung ist nicht leicht, aber man kann es auch durchwegs positiv sehen. Viele Motoren zur Auswahl bedeuten auch viele Probefahrten 😉